Compliance

E-Rechnung ins Ausland: Was bei grenzüberschreitenden Rechnungen gilt

Letzte Aktualisierung: 1. Mai 2026

Kurzfassung: Die deutsche E-Rechnungspflicht gilt nur für inländische B2B-Umsätze — also Rechnungen zwischen zwei in Deutschland ansässigen Unternehmen. Für grenzüberschreitende Rechnungen innerhalb der EU gelten zunächst keine vergleichbaren Pflichten, ZUGFeRD/Factur-X funktioniert jedoch auch hier.

Wo gilt die deutsche E-Rechnungspflicht?

Das Wachstumschancengesetz regelt die E-Rechnungspflicht ausdrücklich für "im Inland steuerbare Umsätze" zwischen zwei im Inland ansässigen Unternehmen. Das bedeutet:

Rechnungsbeziehung Deutsche E-Rechnungspflicht?
Deutsches Unternehmen → deutsches Unternehmen (B2B) ✅ Ja — ab 2027/2028
Deutsches Unternehmen → EU-Auslandskunde (B2B) ❌ Nein — nicht unter deutschem Recht
EU-Auslandslieferant → deutsches Unternehmen ❌ Der ausländische Aussteller unterliegt nicht deutschem Recht
Deutsches Unternehmen → Nicht-EU-Ausland ❌ Nein

ZUGFeRD für EU-Auslandsrechnungen: Macht das Sinn?

Auch ohne Pflicht kann ZUGFeRD (bzw. Factur-X, das technische Äquivalent) für EU-Auslandsrechnungen nützlich sein:

EU-weite Entwicklung: ViDA und das Meldesystem

Die EU-Kommission arbeitet im Rahmen der Initiative "VAT in the Digital Age" (ViDA) an digitalen Meldepflichten für grenzüberschreitende B2B-Umsätze. Das geplante System sieht vor, dass innergemeinschaftliche Rechnungen digital gemeldet werden — was ein standardisiertes elektronisches Format voraussetzt.

ViDA ist noch in der Abstimmung und wird voraussichtlich ab 2028–2030 schrittweise eingeführt. Konkrete Auswirkungen auf kleine Unternehmen sind noch nicht final beschlossen — es lohnt sich, die Entwicklung zu verfolgen.

Rechnungen aus dem Ausland empfangen

Wenn du als deutsches Unternehmen eine Rechnung von einem ausländischen Lieferanten empfängst, gilt:

Häufige Fragen

Mein Schweizer Lieferant schickt mir eine normale PDF — muss er wechseln?
Nein. Die Schweiz hat keine vergleichbare E-Rechnungspflicht (Stand 2026). Dein Schweizer Lieferant ist nicht verpflichtet, ZUGFeRD zu nutzen. Du musst die PDF als normale Rechnung entgegennehmen.

Mein EU-Kunde verlangt eine "elektronische Rechnung" — reicht ZUGFeRD?
Das hängt von der Spezifikation des Kunden ab. Wenn er konkret Factur-X oder PEPPOL BIS verlangt: ZUGFeRD im EN-16931-Profil ist zu Factur-X kompatibel. Für PEPPOL musst du dir einen Zugangspunkt (Access Point) einrichten — das ist aufwendiger und für kleine Unternehmen selten nötig.

Ist eine Reverse-Charge-Rechnung eine "inländische" Rechnung?
Bei Reverse Charge (§ 13b UStG) erbringt ein ausländisches Unternehmen eine Leistung im Inland. Das ist umsatzsteuerrechtlich komplex — im Zweifelsfall Steuerberater zur konkreten E-Rechnungspflicht befragen.

Weiterführend: E-Rechnungspflicht im Überblick · Factur-X: Das europäische Geschwisterformat